Merry Christmas

Und wieder neigt sich ein weiteres Jahr unaufhaltsam dem Ende zu. Weihnachten steht unmittelbar vor der Türe, doch aufgrund des milden (und somit nicht vorhandenen) Winters kommt dieses Jahr irgendwie überhaupt keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Aber zumindest entfällt bisher das lästige Schnee räumen und selbst das Auto muss nicht gekratzt werden.

Kevin geht mittlerweile in die 4. Klasse der Grundschule und hatte einen wirklich guten Schulstart. Mit dem Lehrer haben wir auch richtig Glück (ich hatte ihn bereits während meiner Schulzeit als Klassenleiter in der 3. Klasse) und gleich zu Beginn des Schuljahres habe ich ihn auch über Kevins vorhandene ADHS informiert. Dieses 4. Schuljahr ist deshalb so wichtig, da mögliche Übertritte in die weiterführenden Schulen anstehen. Ich versuche - so gut es geht - den Druck von Kevin fern zu halten, ihn aber trotzdem zum regelmäßigen Lernen zu ermuntern. Allerdings macht er sich den Druck selbst und kann teilweise nachts sehr schlecht schlafen, wenn er mal eine 3 schreibt. Mit der Dosis bewegen wir uns momentan bei 40 mg Medikinet retard und nach wie vor überzeugt mich das Medikament - bis auf wenige Einschränkungen - sehr. Die schulischen Leistungen sind konstant gut und beim ersten Elterngespräch mit dem Lehrer wurde bereits eine mündliche Empfehlung für eine Realschule ausgesprochen.

In den Sommerferien haben wir während unseres knapp 3-wöchigen Auslandsaufenthaltes die Medis auf Kevins eigenen Wunsch hin weggelassen. Er hat in den letzten Monaten nichts zugenommen, ist aber natürlich trotzdem weiter gewachsen. Und er merkte, dass er einfach zu wenig Energie hat. Er ist auch sehr dünn und die einzelnen Rippen sind deutlich sichtbar. Somit war auch für uns klar, dass wir es versuchen, ohne Medikinet im Urlaub auszukommen. Und entgegen meiner Erwartungen hat es super funktioniert. Kevin war aber auch den ganzen Tag in Action und konnte sich regelmäßig auspowern. Wir verbringen unseren Sommerurlaub schon seit vielen Jahren auf einem Campingplatz in Kroatien und sind auch somit die ganze Zeit draußen. Für uns ist das einfach die schönste Form des Urlaubs: keine starren Essenszeiten im Hotel, Badekleidung den ganzen Tag und Programm nach Lust und Laune. Die Kids schnappen sich regelmäßig nach dem Frühstück ihr Fahrrad und treffen sich mit Freunden, springen Trampolin, gehen schwimmen im Pool oder im Meer, toben sich auf den diversen Spielplätzen aus und haben Spaß. Kevin hat während unseres Urlaub nicht gegessen: er hat wortwörtlich "gefressen". Ohne Spaß! Ständig hatte er Hunger, hat sich von mir mehrmals den Teller vollschöpfen lassen und bereits zum Frühstück waren 2 - 3 Scheiben Weißbrot mit selbstgemachter Erdbeermarmelade keine Seltenheit. Das hat mich dermaßen gefreut!Zuhause haben wir dann allerdings schnell gemerkt, dass es ohne die Medis nicht so gut hinhaut. In gewohntem Umfeld, ohne die Möglichkeit, sich nach Herzenslust "auszupowern", eckt er schnell wieder an und schießt über das Ziel hinaus. Somit haben wir auch ca. 2 Wochen vor dem Schulstart wieder angefangen, die Medis zu geben.

Im Oktober war dann die jährliche Blutabnahme fällig und der CK-Wert war nicht in Ordnung. Dieser Wert erhöht sich gegebenenfalls schon mal, wenn man sich verletzt oder extrem viel Sport getrieben hat. Eine nochmalige Prüfung dieses Wertes nach einer weiteren Woche ohne Sport ergab allerdings auch kein anderes Ergebnis. Unser Arzt hielt dann nochmals Rücksprache mit der Ärztekammer und teilte mir mit, dass es durchaus mit dem Medikament zusammenhängen kann, dass dieser Wert erhöht ist. Ich habe mich dann genauer darüber informieren lassen, für welche Funktionen des Körpers dieser CK-Wert überhaupt zuständig ist. Zum einen für das Herz, für die Gehirnfunktion und für die Muskeln. Unser Arzt meinte, das wäre nicht weiter dramatisch und es muss nichts veranlasst werden. Mittlerweile allerdings stelle ich vermehrt bei Kevin fest, dass ihm des Öfteren wortwörtlich "alles weh tut". Wie eine Art Muskelkater. Nach sportlicher Anstrengung dauert es manchmal einige Tage, bis er sich davon wieder erholt hat. Er hat dann richtige Schmerzen und hat Mühe, sich zu bewegen. Ich habe auch den Eindruck, dass er momentan keine Kraft und keine Energie mehr hat. Für die Weihnachtsferien haben wir deshalb beschlossen, das Medikament erneut abzusetzen um zu sehen, ob sich etwas verändert. Ansonsten müssen wir nochmals mit dem Arzt Rücksprache halten und weitere Untersuchungen den CK-Wert betreffend vornehmen lassen.

Jetzt freuen wir uns aber erst einmal auf die freie Zeit im Kreise der Familie und lassen das Jahr entspannt ausklingen.

18.12.15 11:44, kommentieren

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Die Zeit verrennt ...

Im wahrsten Sinne des Wortes. Seit meinem letzten Eintrag hier hat sich doch so einiges bei uns getan. Mitte Dezember haben wir von unserem Arzt für Kevin ein Retardpräparat erhalten. Bis dahin hatte Kevin jeweils am Morgen (vor der Schule) und am frühen Nachmittag eine Tablette bekommen, doch die “Wellen” beim Nachlassen bzw. der erneuten Einnahme des Medikaments waren schon spürbar. Bei dem Retardpräparat ist es so, dass ich Kevin nur noch einmal am Morgen eine Kapsel geben muss und diese hält dann bis gegen 16/17 Uhr an, so dass auch der Zeitraum der Hausaufgaben damit optimal abgedeckt ist.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir somit sehr harmonisch im Kreise der Familie verlebt und auch die Besuche bei der Verwandtschaft waren diesmal mehr als ausgeglichen. Gemerkt hat das jeder – und wir haben viel positives Feedback bekommen.

Nach den Weihnachtsferien hat Kevin dann entschieden, wieder Fußball zu spielen. Er hat im Sommer letzten Jahres damit aufgehört, was ich sehr bedauert habe. Sport finde ich für jedes Kind wichtig. Die Möglichkeit zu haben, sich auszupowern, an seine Grenzen zu kommen, den Zusammenhalt im Team zu erfahren und auch einmal Niederlagen einzustecken, ist gerade im Hinblick auf das weitere Leben von Nutzen. Ich vermute einmal, dass sich Kevin damals in dem Team einfach nicht mehr wohlgefühlt hat. So richtig deutlich gesagt hat er das zwar nicht, aber ich habe bemerkt, dass er keine Freude mehr am Fußball hatte. Ich habe ihn nicht endgültig abgemeldet, sondern mit seinem Trainer gesprochen, ihn über die ADHS informiert und gemeinsam haben wir vereinbart, eine Pause einzulegen und abzuwarten. Um so erfreuter war ich natürlich, als Kevin dann für sich entschieden hat, wieder weiterzumachen. Und er hat es bis heute nicht bereut. Er geht gerne zum Training, zu den Spielen und fühlt sich in seiner Mannschaft willkommen.

Auch die Mitschüler in Kevins Klasse haben bemerkt, dass sich Kevin verändert hat. Dass er nicht mehr bei Kleinigkeiten aus der Haut fährt, dass er ruhiger und vernünftiger geworden ist und dass man gut mit ihm spielen kann.

Am 11. Februar hatten wir dann zusammen mit der Lehrerin ein Lernentwicklungsgespräch in der Schule. Dieses Gespräch (inklusive schriftlicher Beurteilung) ersetzt in diesem Jahr zum ersten Mal das Zwischenzeugnis. Bei vorherigen Gesprächen in der 1. und 2. Klasse mussten wir uns leider immer wieder anhören, wie furchtbar unser Kind doch wäre und dass seine damalige Lehrerin überhaupt nicht mit ihm zurecht käme. Mein Mann und ich waren zu dieser Zeit oft in der Schule und hatten auch Gespräche mit dem Direktor. Kevin war von seiner damaligen Lehrerin “abgestempelt” worden, d. h. für alles war nur er der Sündenbock. Ganz egal, ob er damit angefangen hatte oder einfach nur bei irgendetwas beteiligt war. Es wurde gar nicht mehr nachgefragt, sondern hieß einfach nur: “Der Kevin dies, der Kevin das …”. Für uns alle war das eine sehr schlimme Zeit und wir hatten zwischendurch sogar überlegt, die Klasse zu wechseln. Aber die 3. Klasse jetzt ist damit überhaupt nicht mehr vergleichbar. Die Beurteilung von Kevins neuer Lehrerin im Lernentwicklungsgespräch war überaus positiv und sie konnte sowohl vom Sozialverhalten als auch von den Noten nur lobend über ihn sprechen. Kevin war bei diesem Gespräch auch mit dabei und hat sich natürlich sehr gefreut. In zweiten Halbjahr der 2. Klasse hat er viele 4er geschrieben, nicht nur in den Hauptfächern, sondern auch in den Lernfächern. Mit ihm zuhause zu lernen war praktisch auch unmöglich, da die Konzentration überhaupt nicht vorhanden war. Inzwischen schreibt er überwiegend 1er und 2er, ganz selten mal eine 3. Und er merkt sich wirklich alles. Passt im Unterricht super auf und muss somit zuhause nur sehr wenig lernen. Auch die Hausaufgaben hat er mittlerweile sehr schnell fertig. Sein Ziel ist es, nach der 4. Klasse in eine weiterführende Schule zu wechseln und ich bin sehr zuversichtlich, dass er das schaffen wird.

Was hat sich konkret für mich verändert? Nun, dazu kann ich sagen, dass ich wesentlich ausgeglichener geworden bin, nicht mehr ständig “unter Strom und Anspannung” stehe. Im Sommer letzten Jahres hatte ich schon Bauchschmerzen, wenn ich nur daran gedacht habe, dass Hausaufgaben anstehen. Jetzt kann ich das alles ganz gelassen sehen, da es einfach perfekt läuft. Ich bin für mich selbst mehr zur Ruhe gekommen, freue mich über gemeinsame Aktivitäten mit der Familie und genieße einfach das Leben. Ich treffe mich wieder mehr mit Freunden und habe viel mehr Elan und Power. Das tut mir gut und damit letztlich auch meiner kompletten Familie.

Am Wochenende fahren wir nach Brandenburg ins Tropical Island und freuen uns alle auf die 3-tägige, gemeinsame Auszeit.

"Das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet,
das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,
das Kostbarste, was er im Leben besitzt,
ist die Familie."

14.4.15 09:11, kommentieren