Die Zeit verrennt ...

Im wahrsten Sinne des Wortes. Seit meinem letzten Eintrag hier hat sich doch so einiges bei uns getan. Mitte Dezember haben wir von unserem Arzt für Kevin ein Retardpräparat erhalten. Bis dahin hatte Kevin jeweils am Morgen (vor der Schule) und am frühen Nachmittag eine Tablette bekommen, doch die “Wellen” beim Nachlassen bzw. der erneuten Einnahme des Medikaments waren schon spürbar. Bei dem Retardpräparat ist es so, dass ich Kevin nur noch einmal am Morgen eine Kapsel geben muss und diese hält dann bis gegen 16/17 Uhr an, so dass auch der Zeitraum der Hausaufgaben damit optimal abgedeckt ist.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir somit sehr harmonisch im Kreise der Familie verlebt und auch die Besuche bei der Verwandtschaft waren diesmal mehr als ausgeglichen. Gemerkt hat das jeder – und wir haben viel positives Feedback bekommen.

Nach den Weihnachtsferien hat Kevin dann entschieden, wieder Fußball zu spielen. Er hat im Sommer letzten Jahres damit aufgehört, was ich sehr bedauert habe. Sport finde ich für jedes Kind wichtig. Die Möglichkeit zu haben, sich auszupowern, an seine Grenzen zu kommen, den Zusammenhalt im Team zu erfahren und auch einmal Niederlagen einzustecken, ist gerade im Hinblick auf das weitere Leben von Nutzen. Ich vermute einmal, dass sich Kevin damals in dem Team einfach nicht mehr wohlgefühlt hat. So richtig deutlich gesagt hat er das zwar nicht, aber ich habe bemerkt, dass er keine Freude mehr am Fußball hatte. Ich habe ihn nicht endgültig abgemeldet, sondern mit seinem Trainer gesprochen, ihn über die ADHS informiert und gemeinsam haben wir vereinbart, eine Pause einzulegen und abzuwarten. Um so erfreuter war ich natürlich, als Kevin dann für sich entschieden hat, wieder weiterzumachen. Und er hat es bis heute nicht bereut. Er geht gerne zum Training, zu den Spielen und fühlt sich in seiner Mannschaft willkommen.

Auch die Mitschüler in Kevins Klasse haben bemerkt, dass sich Kevin verändert hat. Dass er nicht mehr bei Kleinigkeiten aus der Haut fährt, dass er ruhiger und vernünftiger geworden ist und dass man gut mit ihm spielen kann.

Am 11. Februar hatten wir dann zusammen mit der Lehrerin ein Lernentwicklungsgespräch in der Schule. Dieses Gespräch (inklusive schriftlicher Beurteilung) ersetzt in diesem Jahr zum ersten Mal das Zwischenzeugnis. Bei vorherigen Gesprächen in der 1. und 2. Klasse mussten wir uns leider immer wieder anhören, wie furchtbar unser Kind doch wäre und dass seine damalige Lehrerin überhaupt nicht mit ihm zurecht käme. Mein Mann und ich waren zu dieser Zeit oft in der Schule und hatten auch Gespräche mit dem Direktor. Kevin war von seiner damaligen Lehrerin “abgestempelt” worden, d. h. für alles war nur er der Sündenbock. Ganz egal, ob er damit angefangen hatte oder einfach nur bei irgendetwas beteiligt war. Es wurde gar nicht mehr nachgefragt, sondern hieß einfach nur: “Der Kevin dies, der Kevin das …”. Für uns alle war das eine sehr schlimme Zeit und wir hatten zwischendurch sogar überlegt, die Klasse zu wechseln. Aber die 3. Klasse jetzt ist damit überhaupt nicht mehr vergleichbar. Die Beurteilung von Kevins neuer Lehrerin im Lernentwicklungsgespräch war überaus positiv und sie konnte sowohl vom Sozialverhalten als auch von den Noten nur lobend über ihn sprechen. Kevin war bei diesem Gespräch auch mit dabei und hat sich natürlich sehr gefreut. In zweiten Halbjahr der 2. Klasse hat er viele 4er geschrieben, nicht nur in den Hauptfächern, sondern auch in den Lernfächern. Mit ihm zuhause zu lernen war praktisch auch unmöglich, da die Konzentration überhaupt nicht vorhanden war. Inzwischen schreibt er überwiegend 1er und 2er, ganz selten mal eine 3. Und er merkt sich wirklich alles. Passt im Unterricht super auf und muss somit zuhause nur sehr wenig lernen. Auch die Hausaufgaben hat er mittlerweile sehr schnell fertig. Sein Ziel ist es, nach der 4. Klasse in eine weiterführende Schule zu wechseln und ich bin sehr zuversichtlich, dass er das schaffen wird.

Was hat sich konkret für mich verändert? Nun, dazu kann ich sagen, dass ich wesentlich ausgeglichener geworden bin, nicht mehr ständig “unter Strom und Anspannung” stehe. Im Sommer letzten Jahres hatte ich schon Bauchschmerzen, wenn ich nur daran gedacht habe, dass Hausaufgaben anstehen. Jetzt kann ich das alles ganz gelassen sehen, da es einfach perfekt läuft. Ich bin für mich selbst mehr zur Ruhe gekommen, freue mich über gemeinsame Aktivitäten mit der Familie und genieße einfach das Leben. Ich treffe mich wieder mehr mit Freunden und habe viel mehr Elan und Power. Das tut mir gut und damit letztlich auch meiner kompletten Familie.

Am Wochenende fahren wir nach Brandenburg ins Tropical Island und freuen uns alle auf die 3-tägige, gemeinsame Auszeit.

"Das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet,
das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,
das Kostbarste, was er im Leben besitzt,
ist die Familie."

14.4.15 09:11

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